„Die Unsichtbaren Worte“ – das etwas andere Projekt

Kathrin Krüger

Es ist 16 Uhr, die Feierabendzeit beginnt. Wir befinden uns in der Straße Am Wall, nur wenige Meter von der Bremer Innenstadt entfernt. Hier ist eigentlich immer etwas los. Doch nur wenige, die hier vorbei gehen oder fahren, denken darüber nach, was unter ihnen verborgen liegt. Ein Netzwerk aus Energie- und Wasserleitungen erstreckt sich unter Bremen und Bremerhaven, kaum wahrgenommen oder wertgeschätzt und doch von großem Nutzen. Es sorgt für unsere Grundversorgung mit Wasser, Strom, Wärme und Gas und wird von der Bevölkerung meistens nur negativ wahrgenommen, nämlich dann, wenn es mal zu Störungen kommt. Doch genau an der Stelle, an der wir stehen, ist noch mehr als einfach nur ein Netz. Etwas, das die Wahrnehmung des Netzes in der Bevölkerung fördern und seinen Nutzen bei den Menschen in Bremen und Bremerhaven wieder ins Bewusstsein rufen soll. Nicht einmal zwei Meter unter uns, auf den Rohren und Kabeln des Netzes, befinden sich Worte.

Bei diesen „unsichtbaren Worten“ handelt es sich um ein Kunstprojekt der swb zusammen mit dem koreanischen Künstler Kyungwoo Chun. Der Künstler gab hierbei nur den Handlungsrahmen seines neuen Kunstwerks vor. Die Teilnehmer konnten in diesem eigenständig agieren und durch ihre Ideen das Projekt individuell gestalten. Bei den Teilnehmern handelte es sich um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der swb AG und ihrer Tochtergesellschaften. Sie sollten Worte finden, die ihnen und anderen Menschen Kraft und Wärme verleihen und die sie ermutigen, auch wenn sie nicht sichtbar unter der Erde liegen. So soll neben dem materiellen Netz auch eine geistige Verbindung zwischen den Menschen entstehen. Eine Art Netz aus Gedanken. 2011 wurde das Projekt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vorgestellt. Die Sprüche und Worte wurden gesammelt und zusammen mit dem Namen der Person, die diesen Spruch eingereicht hatte, zunächst auf die Rohre und Kabel geklebt. Von September 2011 bis Oktober 2014 wurden diese dann in ganz Bremen und Bremerhaven verlegt.

Das Versorgungsnetz wird nun auch hin und wieder außerhalb des Arbeitsumfeldes wahrgenommen werden, da es neben der täglichen Versorgung eine weitere Bedeutung für die Teilnehmer bekommen hat. Sie kennen die Orte, an denen ihre Sprüche und Worte liegen, besuchen diese vielleicht, teilen dieses Wissen eventuell mit Freunden und Familie. Sie behalten auch die Worte selbst in ihrer Erinnerung, lassen sich von ihnen beeinflussen und stärken. Die Entwicklung der gemeinschaftlichen Aktion wurde auf einer Google-Maps Karte auf der Homepage www.dieunsichtbarenworte.de dokumentiert. Hier werden die unterschiedlichen Orte angezeigt, an denen die Worte der Teilnehmer unter der Erde liegen. Beim Abschluss des Projekts weist das Kunstwerk 50 verschiedene Orte mit insgesamt 100 Sprüchen auf. Dazu gehören auch diese beiden: „Jeder Tag ist ein neues Leben“ und „Wenn eine Tür zu geht, geht die nächste Tür auf“. Irgendwann werden diese Worte wieder sichtbar, ob in ein paar Jahren oder erst nach mehreren Jahrzehnten. Und dann wird vielleicht über sie nachgedacht werden, über ihren Ursprung und über ihre Bedeutung. Bis dahin verbleiben die Sprüche und Worte im Gedächtnis der Teilnehmer und bilden zusammen das Kunstwerk der „unsichtbaren Worte“ in Bremen und Bremerhaven.

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